Montag, 14. April 2014

Kleriker im freien Fall

von Paul Baldauf

Kirchenkrimi


Das Bistum Speyer hat einen neuen Bischof. Am Tag nach der Amtseinführung muss sein Sekretär Berge von Post durcharbeiten: Gratulationen, Einladungen, (Wein-)Spenden und dazu ein wirrer Brief über die Engel des Zornes und Vergeltung. Die Kommissare Wagner und Rehles tun ihr Möglichstes, aber sie können den befürchteten Mord nicht verhindern.

Der Autor Paul Baldauf hat jede Menge Ahnung vom Katholischen und von Speyer - und er mag Beides.

Dieses Buch hat die höchste 'GpS'-Dichte ('Gläubige pro Seite') aller bisher im Blog vorgestellten Kirchenkrimis: Priester, Schwestern, Domschweizer, sonstige Laien und stramme Messbesucher. Dazu wimmelt es von kirchlichen Titeln, Theologischem, Anspielungen auf christliche Prominenz, ihr Wirken und ihre Werke, Bibelzitate, Liturgischem usw. Die Kommissare Wagner (mit Hang zu südamerikanischen Rhythmen und landestypischen Spezialitäten) und Rehles (mit seiner frischen Gattin) wirken daneben direkt erholsam weil so vertraut in ihrem normalen Alltag.

Kirchliches und spezifisch Katholisches spielen auch in der Handlung eine wichtige Rolle. Das macht diesen Krimi zu dem „katholischsten“ von allen, die ich kenne - neben der Mutter aller Kirchenkrimis, dem Namen der Rose. Es wäre allerdings möglich, dass Nicht-Katholiken damit zu sehr fremdeln und es nicht als faszinierenden Einblick in eine unbekannte Welt sehen.

Die konservativen Gläubigen kommen in der Erzählung schlechter weg als die nicht-konservativen. Aber der Autor lenkt auf den letzten Seiten ein, da sollte man nicht vorher das Buch zur Seite legen oder schon ein ablehnendes Urteil gefällt haben.

(Ich lese ja immer das Ende von einem Krimi, auch wenn er so unter aller Kanone ist, dass ich ihn weder komplett lesen kann noch hier im Blog darüber schreibe, das Ende muss sein. Es ist schließlich möglich, dass wenigstens auf den letzten Seiten noch etwas Vernünftiges steht. Steht meistens nicht, aber was soll's.)

Kleriker im freien Fall ist ein wirklich empfehlenswerter Kirchenkrimi. Spannend, unterhaltsam, gelegentlich zum Schmunzeln, das Geistliche wird respektvoll geschildert, sympathische Figuren und außerdem enorm viel Speyerer Lokalkolorit und Katholentum.


Der Autor Paul Baldauf wohnt in Speyer, er ist Schriftsteller und Übersetzer und hat eine Homepage.


232 Seiten, 2011

Nachtrag (vom 1.2.2016): 
2015 erschien mit Wie ein Dieb in der Nacht  der zweite Krimi um das Ermittler-Duo Wagner und Rehles. Wieder spielt die Geschichte in Speyer, allerdings nur mit zwei sehr klugen und angenehmen Geistlichen, die auch nur am Rande vorkommen. Wie ein Dieb in der Nacht ist ebenso wie der erste Band ein rundum empfehlenswerter Unterhaltungsroman mit kriminellen Einschlag.



Pilgerspuren von dem Autor Harald Schneider ist ebenfalls ein Kirchenkrimi aus Speyer. Dort sind es Mitarbeiter der Bistumszeitschrift, die angegriffen werden, und Kommissar Palzki, der über jeden kirchlichen Fachbegriff stolpert und dazu noch seiner hochschwangeren Frau beistehen muss, klärt den Fall auf.

Was katholische Kirchenkrimis betrifft kann man nur sagen: Tu felix Speyer!

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