Montag, 1. Februar 2016

Wie ein Dieb in der Nacht

von Paul Baldauf

Kirchenkrimi
 
Feuer auf dem Friedhof? Oder doch nur Rauch und Qualm? Morgens um halb sieben ruft eine Nachbarin Kommissar Wagner an und berichtet, was sie in der Nacht beobachtet hat. Wagner schaut für alle Fälle vor der Fahrt zur Arbeit nach und entdeckt eine verkohlte Leiche.
Der Tote war Übersetzer und in diesem Milieu finden die ersten Ermittlungen statt. Begegnungen mit ungewöhnlichen Übersetzern aus Germersheim und Speyer, witzige Szenen mit schrägen Figuren.
Besonders der hünenhafte Siegbert mit seinem Hang zur nordischen Mythologie ist eine beeindruckende Type. Er kleidet und benimmt sich seltsam, versucht in die Wohnung des Opfers zu kommen, mit dem er enger befreundet war, als er zugibt, und ist für die Polizei keine große Hilfe.

In der Manteltasche der Leiche findet der Kommissar ein Gedicht in englischer Sprache. Zu kompliziert für seine Sprachkenntnisse. Es dauert eine Weile, bis es fachmännisch übersetzt vorliegt. Danach ist es allerdings nicht verständlicher: Wie ein Dieb in der Nacht … leblos wie Asche … kein zweiter Tod … Schreie der Agonie und Verzweiflung … auf ewig verdammt. Die Ermittler überlegen anfangs, ob es sich um eine Art Abschiedsbrief handelt, denn erst nach den Ergebnissen der Spurensicherung ist sicher, dass es kein Selbstmord war.

Der Verstorbene wird den Lesern über seine Bücher näher gebracht. Er interessierte sich für die englische und skandinavische Kultur. Große Literatur, Sagen und berühmte Schriftsteller stehen neben den Wörterbüchern in seinen Regalen. Die Kommissare – und die Leser – überlegen, ob sich hinter den Titeln ein Indiz verbirgt, das ein Grund für das Verbrechen sein könnte oder einen Hinweis auf den Mörder gibt.
 
Wagner wendet sich an einen Priester der Spiritaner, Pater Seelinger, weil er einige theologische Fragen hat. Erst geht es um eine Stelle in dem englischen Gedicht über die Verdammnis, später bei einem kurzem Treffen um das Besiegen des Todes. Als der Verdächtigte Siegbert eine Bibelstelle zitiert, erklärt der Pater deren Hintergründe nachvollziehbar, ohne ins abgehobene Dozieren zu verfallen. Er ist eine authentische und sympathisch gezeichnete Figur.
Ebenso wie der katholische Pfarrer bei der Beerdigung des Opfers. Bestattungen sind seltener als man annimmt in der Krimi-Literatur, Trauerreden, in denen Gott nicht nur als Floskel erwähnt wird, sind noch seltener. Die Szenen mit den Geistlichen sind zwar kurz, aber sie sind eine echte Bereicherung für die Erzählung und passen gut in diesen Krimi.
Wegen Pater Seelinger, des Pfarrers und des wirren „spirituellen“ Gedichts ist eine Einordnung im Genre Kirchenkrimi durchaus gerechtfertigt.


Nach Kleriker im freien Fall von 2011 ist Wie ein Dieb in der Nacht der zweite Band um das Polizeiteam Oberkommissar Wagner, Kommissar Rehles und ihren Chef Puhrmann. Rehles Frau Oksana ist auch wieder dabei. Sie schwärmt ihren Gatten noch an und beglückwünscht sich zu ihm. Kein Wunder, denn Rehles Erlebnisse werden beim Erzählen gelegentlich einen Ton gefährlicher und seine Rolle etwas wichtiger, als sie es in Wirklichkeit waren. Wagner ist immer noch ein Freund kubanischer Musik und Getränke, er beneidet seinen Untergebenen um dessen frische Angetraute. Chef Puhrmann hat diesmal Rücken oder eigentlich Bandscheibe und ist damit beschäftigt, Arbeit zu verteilen und den Druck durch die Presse verstärkt an sein Team weiterzugeben.

Neu in der Mannschaft ist die Auszubildende Sandra. Sie liefert wichtige Informationen über Verdächtige und schließlich ist es auch Sandra, die mit einer Bemerkung Wagner auf die entscheidende Idee zur Lösung des Falls bringt.
 
Wie ein Dieb in der Nacht ist ein wirklich spannender Kriminalroman (ohne Brutalitäten), mit vielen Verdächtigen, fesselnden Situationen und logischen Spuren, bei denen der Leser automatisch miträt. Die Hauptpersonen sind wie aus dem richtigen Leben, die zwei Kommissare, Sandra und Oksana liebenswert, die Geistlichen angenehm und klug, außerdem gibt es eine Reihe humorvoller Szenen und Dialoge.
Wie schon im ersten Buch spielt die Handlung in Speyer. Man geht mit den Figuren durch die Straßen der Domstadt und es ist bestimmt für Ortskundige ein Vergnügen, die angesprochenen Gebäude, Geschäfte und Restaurants zu erkennen.
 
Das Buch wurde mir vom Autor zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!
 
Paul Baldauf, Buchautor und Übersetzter, lebt und arbeitet in Speyer am Rhein. Neben Büchern veröffentlicht er in Zeitungen, Magazinen, Anthologien. In italienischer Sprache war er dreimal Preisträger bei Schreibwettbewerben des italienischen Kulturmagazins Onde (2 x 1. Preis, 1 x 2. Preis).
Er schreibt Romane, Reiseliteratur, Erzählungen, Kurzgeschichten und Gedichte (diese auch in spanischer Sprache) und ist Mitglied im Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller. (Zitat Seite 235)
 
250 Seiten, 2015, Titelbild von Laura Breitfeld und Claus Breitfeld. Verlag @dip3.at.

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