Samstag, 19. März 2016

Indianertod

Pastor Wolff und der Mordfall Winnetou

von Rainer Buck
 
Kirchenkrimi

Karl-May-Festspiele, auf offener Bühne wird der Darsteller von Winnetou erschossen. Im Publikum sitzen Kriminalkommissar Falke, pensioniert und Karl-May-Fan, und der junge Pfarrer seiner evangelischen Gemeinde, Pastor Wolff, der als freier Mitarbeiter für die Lokalzeitung tätig ist, ebenfalls ein Fan von Karl-May. Beide ermitteln, sie befragen Zeugen, Schauspieler- kollegen, Freunde der Beteiligten und überführen schließlich den Mörder.
 
Lisa, die Zwillingsschwester der Hauptdarstellerin, gibt wertvolle Hinweise zu dem, was hinter den Kulissen los ist, welche Beziehungen die Schauspieler und Organisatoren der Festspiele miteinander verbinden. Durch sie und kurze Schilderungen aus dem Berufsleben des Pastors kommt auch Geistliches in die Geschichte. Lisa hat nach einem schweren Unfall, der sie in den Rollstuhl brachte, wieder begonnen, an Gott zu glauben. Kommissar Falke (Mitglied im Gemeinderat) und Pastor Wolff laden sie in die Bibelstunde ein, an der sie dann regelmäßig teilnimmt.
 
Lisas Schwester, die Schauspielerin Jana, beruflich erfolgreich und auf dem aufsteigenden Ast, hat privat kein Glück mit Männern. Erst ein Schläger und dann ein Stalker, die sie belästigen und besuchen. Zu dem Mord soll es auch nur gekommen sein, weil jemand auf ihre Beziehung mit dem Winnetou-Schauspieler eifersüchtig war. Sie schockiert der Gedanke, dass ihre Entscheidungen zum Mordmotiv wurden.
Die Wiederverheiratung Geschiedener wird im Laufe der Handlung zu einem Thema. Das heißt darüber wird gesprochen, ohne tiefergehende Analysen und Argumente, allerdings geht niemand mit einem „Warum denn nicht?“ über traditionelle Vorstellungen hinweg, so wie es in anderen Erzählungen geschieht.
 
Durch den Tatort Festspielbühne erhalten die Leser Einblick in die Welt der Schauspieler, der Festspielveranstalter und den Fan-Kosmos, Untergruppe Karl-May-Fans. Der wird besonders gelungen durch den hardcore Winnetou-Verehrer Rollo verkörpert. Seine letzte Szene im Buch ist äußerst amüsant und man freut sich mit ihm.
 
Übrigens heißt der pensionierte Kommissar Robert Falke, das erinnert stark an Frank Falke, den Pastor in den sieben Kirchenkrimis von Pfarrer Christian Uecker. Vielleicht war das Absicht?
 
Zu Beginn des Buchs stehen eine Liste mit den Figuren und die Versicherung, dass der Handlungsort Bad Espefeld am Plöner See und die dortigen Festspiele nicht existieren.
Man sollte keinesfalls ins Nachwort schauen, bevor man die Erzählung zu Ende gelesen hat! Dort sind unter anderem Erklärungen zu dem einzigen Fehler des Täters, der ihn schließlich überführen wird.
 
Indianertod ist eine spannende, aber auch humorvolle Erzählung mit enorm sympathischen Hauptfiguren, berührenden Szenen, überraschenden Wendungen und fesselnden Action-Einlagen. Krimi-Unterhaltung vom Feinsten! Die Geschichte bindet christliche Themen gut in die Erzählhandlung ein. (Bisher gehörten Karl May und Winnetou nicht zu meinen Interessengebieten. Er hat wirklich Christliches in sein Indianer-Epos geschrieben? Darüber würde ich gern mehr wissen. Mal sehen, wenn der Bücherstapel hier kleiner geworden ist, dann!)
Indianertod war der erste Fall der Ermittler Wolff und Falke, also vom Pastor und seinem Gemeinderat; die beiden sollten unbedingt noch häufiger Mörder suchen!
 
 
Der Autor Rainer Buck, Jahrgang 1965, lebt mit seiner Familie in Marbach am Neckar. Neben seiner beruflichen Tätigkeit in der kirchlichen Verwaltung veröffentlicht er Romane, Biografien und Kurzgeschichten. Außerdem ist er als ehrenamtlicher Prediger in der methodistischen Kirche aktiv. (Zitat von der Buchrückseite)
 
200 Seiten, 2016, Brendow Verlag

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen